Der Onlinehandel boomt und die Erwartungen der Kunden an einen optimalen Lieferservice steigen. Wie lässt sich Logistik noch verbessern? Mit den bisherigen technischen Mitteln stossen Logistikunternehmen bereits an ihre Grenzen. Sind Drohnen die Lösung? Sie versprechen schnellere Lieferungen, Emissionsfreiheit und neue Möglichkeiten, schwer zugängliche Gebiete zu erreichen. Während in Europa noch vielfach getestet wird, sind andere Länder schon weiter. Ein gutes Beispiel für fortschrittliche Entwicklungen in der Drohnenlogistik ist China.
Drohnen in China
Klare und verständliche rechtliche Rahmenbedingungen sowie eine starke politische Förderung haben dazu beigetragen, dass Lieferungen in China immer öfter auf dem Luftweg erfolgen – und zwar mit Drohnen. Die letzte Meile im E-Commerce ist jetzt auch in abgelegenen Regionen und schwer zugänglichen Gebieten gut zu bewältigen. In den Grossstädten sind Zustellungen in Windeseile möglich, was dem Onlinehandel in China einen zusätzlichen Auftrieb gegeben hat.
Diese Entwicklung wurde vor allem möglich, weil es von der Politik eine klare Unterstützung gibt: Die Chinesen verfolgen das Ziel, Drohnen sicher und grossflächig in Wirtschaft und Logistik zu integrieren. Der Gesetzgeber orientiert sich bei der Neufassung von Normen deshalb vorrangig an dem wirtschaftlichen Potenzial des Einsatzes von Niedrigflügen in der Logistik. Die rechtlichen Rahmenbedingungen sehen wie folgt aus:
- Ausweisung spezieller Flugzonen für Drohnenlieferungen
- Einheitliche und klare Registrierungspflichten
- Verpflichtung zur Echtzeit-Übermittlung der Flugdaten an die Behörden
- Lizenzpflicht für die Betreiber gewerblicher Lieferdrohnen
Allerdings ist dieser Plan von der chinesischen Regierung strategisch so angelegt, dass er auch militärische Entwicklungen fördert. So kooperieren die privaten Hersteller von Drohnen mit staatlichen Stellen – und das erfasst auch den militärischen Sicherheitsbereich.
Unterschiede zwischen Drohnengesetzen in China und Europa
Dass Europa in puncto Drohnenlogistik China unterlegen ist, hat im vor allem mit den unterschiedlichen Normierungen zu tun. Die wesentlichen Differenzen zwischen chinesischen und europäischen Drohnengesetzen sind:
- Die Genehmigungen in China werden zentral koordiniert, während in der EU oft die Einzelstaaten zuständig und die Verfahren sehr komplex sind.
- Flugdaten müssen in China in Echtzeit an eine zentrale Stelle übertragen werden – in Europa stösst dies auf datenschutzrechtliche Hürden.
- Speziell die Flüge im Bereich Beyond Visual Line of Sight (BVLOS, ausserhalb des Sichtbereichs) sind in Europa nur eingeschränkt möglich.
Die obigen Punkte machen deutlich: Während in China der Grundsatz Innovation vor Regulierung gilt, stehen in Europa Sicherheit und Datenschutz an erster Stelle. Chinas Ziel ist klar: Das aufstrebende Land setzt auf Drohnen, damit die Wirtschaft davon profitiert. Nicht ohne Grund ist das chinesische Unternehmen DJI mit 70 Prozent Weltmarktanteil der unangefochtene Spitzenreiter bei der Drohnenherstellung.
Klar ist aber auch: Diese Gesetze sind nur vor dem Hintergrund autoritärer und zentralistischer Strukturen in der Politik möglich. Kontrolle statt Konsens. Die allgemeine Effizienz in China hat ihren Preis – auch in der Drohnenlogistik.
EU oder CH? Was die Schweiz besser macht
Die Schweiz übernimmt in puncto Drohnen viele EU-Regelungen. Allerdings ist die Handhabung hier etwas flexibler und praktischer. Genehmigungen und Umsetzungen von Logistikprojekten mit Drohnen nehmen weniger Zeit in Anspruch. Dieser Umstand hat die Schweiz zu einem interessanten Testmarkt für Drohnen gemacht – zum Beispiel für Drohnentransporte der Post im Gesundheitswesen.
Wer ein Projekt in der EU auf den Weg bringen will, ist in diesem Prozess mit vielen Beteiligten konfrontiert. Die Genehmigungen dauern lange, die Prozesse sind komplex und nehmen viel Zeit in Anspruch. Die kompaktere Verwaltung in der Schweiz macht es Innovatoren einfacher. Das Konzept für den U-Space, also die sichere und effiziente Integration von Drohnen in den unteren Luftraum, wird bereits für den Raum Zürich geplant.
Aufgrund der herausfordernden Topografie ist die Schweiz prädestiniert für den Einsatz von Drohnen in der Logistik. Viele schwer zugängliche Gebiete im Hochgebirge können von Drohnen profitieren. Auch die vergleichsweise gut ausgebaute digitale Infrastruktur der Schweiz vereinfacht die Steuerung, Überwachung und Kommunikation von Drohnen ausserhalb des sichtbaren Bereichs. Flexible Wege bei Tests und Genehmigungen machen es Innovatoren einfach.
Unser Fazit: Von China lernen
Von China lernen heisst siegen lernen? Zumindest auf dem Gebiet der Drohnenlogistik scheint dieser Slogan zu stimmen. Leider gibt es in Europa immer noch zu viele gesetzliche Hürden, die einer raschen Entwicklung der Drohnen-Infrastruktur im Wege stehen. Die dringendsten Punkte für einen Durchbruch wären die folgenden:
- Vereinfachung der Zulassungsverfahren für BVLOS-Flüge (Flüge ausserhalb der Sichtweite des Piloten).
- Schaffung einer besseren Infrastruktur für den Einsatz von Drohnen im unteren Luftraum mit Luftkorridoren.
- Mehr Einfachheit und Klarheit bei Haftungs- und Versicherungsregeln.
Wer die europäische Bürokratie kennt, hat wenig Anlass zu Optimismus. In der Schweiz sieht die Situation jedoch etwas besser aus – dank eines gut ausgebauten Mobilfunknetzes und kürzeren Verwaltungswegen. Ein fortschrittlicher und pragmatischer Ansatz im Umgang mit Drohnenlogistik wird viele positive Entwicklungen möglich machen.