Automatisierte Systeme optimieren das Fulfillment
Wenn ein Kunde einen Artikel bestellt, beginnt im Lager eine ganze Kette von Prozessen. Sie sind alle exakt aufeinander abgestimmt und erfolgen innerhalb kürzester Zeit. Bei vielen dieser Schritte arbeiten Mensch und Maschine zusammen, aber manches läuft bereits vollständig automatisiert ab. Denn die Kundenerwartungen an Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit der Lieferung steigen – deshalb übernehmen automatisierte Lagerroboter immer mehr Aufgaben im Fulfillment. Der folgende Überblick zeigt, welche Robotersysteme heute im Lager eingesetzt werden und welche Vorteile sie bieten.
Was nach dem Klick auf “Bestellen” passiert
Ein Klick genügt, um einen Auftrag direkt an das Shopsystem, genauer gesagt an dessen Checkout-Backend zu senden. Der Auftrag liegt dann in Form eines Datensatzes vor. Die weiteren Schritte:
- Order-Management-System oder ERP. Dieses entscheidet, über welchen Verkaufskanal und an welchem Fulfillment-Standort der Auftrag bearbeitet wird. Es geht hier zum Beispiel um die Frage, aus welchem Lager die Bestellung geliefert werden soll.
- Warehouse-Management-System (WMS). Das WMS erhält den konkreten Fulfillment-Auftrag. Das System kennt den Lagerbestand und die Standorte der Produkte. Aus diesen Informationen leitet es die notwendigen Aufgaben ab: Auslagern, Transportieren, Kommissionieren und Bereitstellen für den Versand.
- Warehouse-Control-System (WCS). Das WCS steuert und koordiniert die technischen Anlagen im Lager. Kurz gesagt: Es kontrolliert alles, was sich konkret bewegt. Dazu gehören unter anderem Förderbänder, Sortieranlagen – und Roboter.
Das heisst: Die Software gibt vor, was im Lager geschieht. Sie koordiniert die einzelnen Arbeitsschritte. Ausgeführt werden die daraus entstehenden Aufgaben von Menschen und Maschinen, zunehmend auch von Robotersystemen. Diese übernehmen im Fulfillmentprozess klar abgegrenzte Tätigkeiten.
Roboter im Einsatz
Robota ist ein Wort aus dem Tschechischen. Es steht für schwerere Arbeiten. Der Schriftsteller Josef Čapek erfand im Jahr 1920 den Namen Roboter als Begriff für künstliche Arbeiter. Hundert Jahre später sind Roboter in vielen Bereichen der Logistik Alltag geworden.
Genau wie Menschen sind auch Roboter nicht für jede Aufgabe gleich gut geeignet. Für unterschiedliche Tätigkeiten gibt es unterschiedliche Systeme. Und für die verschiedenen Aufgaben gibt es verschiedene Robotertypen:
- Mobile Transportroboter: Sie bringen Behälter, Kartons und Paletten selbstständig von einer Station zur nächsten.
- Shuttle-Systeme: Ein solches Roboter-Lagersystem bewegt Behälter innerhalb kompakter Regalanlagen und stellt sie für die Kommissionierung bereit.
- Hochregallager-Roboter: Sie lagern Paletten automatisch ein und aus, auch in grossen Höhen.
- Kommissionierroboter: Automatisierte Lagerroboter entnehmen die Artikel und stellen die einzelnen Bestellungen zusammen. Anschliessend werden diese an die nachgelagerten Stationen weitergereicht.
- Sortier-, Verpackungs- und Palettierroboter: Sie verteilen Sendungen, verschliessen Kartons und stapeln Waren versandfertig auf Paletten.
So übernimmt Robotertechnik im Lager mehrere aufeinanderfolgende Arbeitsschritte. Insgesamt wird der Materialfluss dadurch schneller und sicherer. Hier sind fünf Beispiele, die die Arbeitserleichterung sichtbar machen:
| Aufgabe | ohne Roboter | mit Robotern |
| Transporte innerhalb des Betriebs | Menschen fahren Wagen oder Hubwagen, um Behälter und Waren zur nächsten Station zu bringen. | Mobile Transportroboter übernehmen die Wege selbstständig – kontinuierliche Versorgung der stationären Arbeitsplätze. |
| Kommissionierung | Die mit der Kommissionierung Beschäftigten laufen durch das Lager und suchen sich die einzelnen Artikel selbst zusammen. | Roboter bringen die Behälter oder einzelnen Artikel direkt zur Kommissionierstation. |
| Palettierung | Stapelung von Kartons direkt auf die Paletten per Hand. | Der Roboterarm greift selbstständig nach den Kartons, er ordnet sie effizient nach einem festen Muster. |
| Sortierung | Die Mitarbeiter sortieren selbst per Hand – nach Zielregion, Versanddienstleister oder Tour. | Sortierroboter erkennen alle relevanten Eigenschaften der Sendungen und sortieren automatisch. |
| Bestandskontrolle | Regelmässige Zählung und Kontrolle der Lagerbestände durch die Mitarbeiter. | Automatisierte Kontrolle durch Roboter, die mit Kameras und Sensoren ausgestattet sind. |
Können Roboter die Mitarbeiter im Lager ersetzen?
Roboter sind besonders für wiederkehrende Standardaufgaben geeignet, die für die Beschäftigten häufig körperlich belastend sind. Um solche Tätigkeiten über längere Zeit gleichmässig und präzise ausführen zu können, sind Roboter in der Regel besser geeignet als Menschen.
Ein Beispiel sind Roboter im Hochregallager. Anders als viele herkömmliche Maschinen passen sie ihre Wege und Bewegungen an die wechselnden Aufträge an. Sie erreichen auch schwer zugängliche Lagerplätze. Dadurch nutzen sie den vorhandenen Raum effizient und beschleunigen die Abläufe im Lager.
Die menschliche Arbeitskraft bleibt überall dort unverzichtbar, wo flexibel entschieden werden muss. Denn nicht alles ist planbar. In vielen unvorhersehbaren Situationen ist die menschliche Intuition der Maschinenlogik weiterhin überlegen. Und auch die Robotersysteme müssen eingerichtet, gewartet und in letzter Instanz von Menschen überwacht werden.
Je höher die Automatisierung, desto geringer ist der Personalbedarf – das ist klar. Für die Beschäftigten hat der Einsatz von Robotern jedoch klare Vorteile. Die Arbeit verändert sich tendenziell positiv. Körperlich anstrengende Tätigkeiten werden seltener – dadurch werden zusätzliche Ressourcen für Überwachung und Steuerung frei. Die Effizienz steigt. In der Praxis ersetzen die Roboter nicht die Menschen, sondern nur bestimmte Arbeitsschritte.
Zukunftsmusik: Noch mehr Roboter im Lager
Schon in naher Zukunft werden Roboter deutlich mehr Aufgaben im Lager übernehmen. Denkbar sind Systeme, die Schäden selbstständig erkennen, Retouren prüfen und die kompletten Lagerbestände mit Kameras und Sensoren kontrollieren. Durch künstliche Intelligenz werden sie sich auf wechselnde Produkte und Abläufe einstellen können. Die notwendigen menschlichen Anweisungen werden dadurch geringer. Das Einsatzgebiet von Robotern im Lager wird langfristig über einfache, wiederkehrende Tätigkeiten hinauswachsen.
Fazit
Wenn es in einem Lager um klar definierte, wiederkehrende und körperlich belastende Aufgaben geht, sind automatisierte Lagerroboter menschlicher Arbeitskraft und herkömmlichen Maschinen klar überlegen. Roboter im Lager arbeiten sehr präzise und effizient. Dadurch leisten sie einen wesentlichen Beitrag zu einer leistungsfähigen Lagerverwaltung und zur optimalen Nutzung der verfügbaren Lagerflächen. Mit der Weiterentwicklung von Sensorik, künstlicher Intelligenz und Steuerungstechnik werden sich die Einsatzmöglichkeiten von Robotern im Lager künftig noch deutlich ausweiten. Die Entwicklung geht weiter – und das Potenzial ist enorm.
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