Kennzahlen nutzen, um die Lieferfähigkeit zu sichern
In der Fulfillment Logistik muss alles reibungslos klappen. Rund um die Uhr. Stichworte sind kurze Lieferzeiten, hohe Zuverlässigkeit und flexible Kapazitäten. Oft reicht ein einziger Ausfall, damit ein Kunde den Anbieter wechselt. Um dies zu verhindern, müssen Engpässe rechtzeitig erkannt werden. Aber wie lassen sich diese just in time identifizieren, bevor sie Bestellungen verzögern? Ein intelligentes Frühwarnsystem erfasst die Warnsignale zur rechten Zeit – und verhindert dadurch, dass aus kleinen Verzögerungen grössere Lieferprobleme werden.
Die typischen Engpässe in der Fulfillment Logistik
Fulfillment Logistik ist ein komplexer Prozess, der nicht erst bei der Kommissionierung beginnt und auch nach dem Versand nicht abgeschlossen ist. Engpässe können an unterschiedlichen Stellen auftreten.
- Wareneingang. Schon bevor die Kunden Bestellungen aufgeben, müssen die Waren verfügbar sein. Manchmal treffen viele Lieferungen gleichzeitig ein, sind dann bereits vor Ort, aber noch nicht für die Bestellungen bereit.
- Lagerkapazität. Hier behindern vor allem knappe Stellflächen die Prozesse.
- Kommissionierung. Lange Laufwege und zu wenig Personal bremsen das Zusammenstellen der Bestellungen.
- Versand. Sendungen sind zwar fertig gepackt, sie bleiben aber liegen, weil die Transportkapazitäten nicht ausreichen.
- Retouren. Platz und Personal werden auch durch unbearbeitete Rücksendungen gebunden.
Wenn Probleme auftauchen, ist es wichtig zu erkennen, wo die Ursache des Engpasses liegt. Hierfür sind die richtigen Kennzahlen erforderlich.
Warnsignale erkennen und zuordnen
Jedes Signal lässt sich anhand von Kennzahlen zuordnen:
- Wareneingang: Zeit zwischen Anlieferung und abgeschlossener Einlagerung.
- Lagerkapazität: Verhältnis zwischen belegten und freien Lagerplätzen.
- Kommissionierung: Durchschnittliche Zeit für das Zusammenstellen von Bestellungen.
- Versand: Prozentualer Anteil verspäteter Auslieferungen.
- Retouren: Anzahl der ungeprüften Rücksendungen.
Die Kennzahlen für diese Frühwarnungen liefern Lagerverwaltungssystem (WMS), Auftragsverwaltung und Versandsystem. Die Daten werden zusammengeführt und mit Schwellenwerten abgeglichen, sodass drohende Engpässe sofort dem jeweiligen Prozessbereich zugeordnet werden können.
So wird aus Kennzahlen ein Frühwarnsystem
Um Warnsignale, die auf Engpässe in der Fulfillment Logistik hindeuten, zu erkennen, ist meist keine neue Software erforderlich. Schon ein oberflächlicher Blick auf vorhandene Programme zeigt, dass sie die wesentlichen Kennzahlen problemlos zur Verfügung stellen. Es kommt darauf an, dass diese Hinweise rechtzeitig bei denjenigen Beteiligten ankommen, die handeln können. Häufig scheitert dies jedoch schon an den Schnittstellen.
Der erste Schritt ist daher in der Regel die Kontrolle des Datenaustausches zwischen Lagerverwaltung, Auftragsverwaltung und Versandsystem. Nur automatische Datenübertragungen gewährleisten, dass die notwendigen Informationen immer in Echtzeit vorliegen. Manuelle Eintragungen kosten Zeit und sind fehleranfällig.
Tipp: Wenn die vorhandenen Systeme keine gemeinsame Übersicht bieten, kann eine Business-Intelligence-Software die Daten in einem Dashboard zusammenführen.
Als Nächstes gilt es, die passenden Schwellenwerte festzulegen. Vorsichtig gesetzte Grenzen schaffen mehr Reaktionszeit, können jedoch Ressourcen binden, obwohl die Gefahr eines Engpasses noch gering ist. Deshalb muss jedes Unternehmen individuell abwägen, welches Risiko es bereit ist einzugehen. Sinnvoll sind Lösungen, die frühzeitig Alarm schlagen, den Verantwortlichen aber ausreichend Handlungsspielraum lassen. Am Ende hilft die menschliche Erfahrung dabei, diese Warnsignale einzuordnen und Massnahmen einzuleiten – oder eben nicht.
Übersicht: Kennzahlen und Massnahmen
Aus dieser Tabelle lässt sich leicht ablesen, welche Kennzahlen auf welche Probleme hinweisen und mit welchen Massnahmen der aktuelle Engpass beseitigt oder ein drohender Engpass verhindert werden kann.
| Problem | Kennzahl | Massnahme |
| Waren warten zu lange auf Einlagerung | Stunden zwischen Anlieferung und abgeschlossener Einlagerung | Personal im Wareneingang verstärken, dringende Waren priorisieren |
| Knappe Lagerflächen | Belegte Lagerfläche (in Prozent) | Ausweichflächen nutzen |
| Bestellungsstau in der Kommissionierung | Anzahl noch nicht kommissionierter Aufträge mit Versandtermin am selben Tag (absolut) | Personal umverteilen, zeitkritische Aufträge vorziehen |
| Pakete bleiben liegen, obwohl sie versandfertig sind | Versandfertige Sendungen mit überschrittenem Abholtermin (absolut) | Zusätzliche Abholungen mit dem Transportdienstleister vereinbaren |
| Unbearbeitete Retouren | Anzahl ungeprüfter Rücksendungen (absolut) | Zusätzliche Bearbeitungszeit einplanen, eventuell Personal verstärken |
Die Tabelle macht deutlich: Es gibt in der Fulfillment Logistik eigentlich keinen Engpass, der keine Schatten vorauswirft und deshalb nicht verhindert werden kann. Voraussetzung ist, dass die Situation, die dazu führt, zeitnah erkannt wird.
Ist der Logistikpartner gegen Engpässe gerüstet?
Angesichts der grossen Konkurrenz im E-Business ist die Auswahl eines guten Logistikpartners existenziell. Der für den Versand zuständige Dienstleister muss auch bei hohem Auftragsvolumen zuverlässig arbeiten. In der Praxis kommt es auf die Einhaltung präzise formulierter Leistungsvereinbarungen an. Wenn sich beide Seiten an diese Regelungen halten, können Engpässe wirksam beseitigt werden.
Ein Beispiel aus der Praxis ist das Weihnachtsgeschäft oder der Bestell-Peak in der Black-Friday-Woche. Alle Beteiligten sind im Normalfall darauf eingestellt, dass deutlich mehr Bestellungen bearbeitet werden müssen. Aber reichen die Kapazitäten dafür tatsächlich aus? Ein Blick auf die relevanten Kennzahlen zeigt, ob das erhöhte Auftragsvolumen noch im geplanten Rahmen bewältigt wird oder bereits ein Engpass entsteht. Gerade in der umsatzstärksten Zeit des Jahres können Lieferverzögerungen besonders schwer wiegen. Sie verärgern Kunden und gefährden Folgegeschäfte.
Fazit
Nur wer die laufenden Prozesse ständig überblickt, kann Engpässe in der Fulfillment Logistik rechtzeitig verhindern. Die Grundlage dafür sind ein stabiler Datenaustausch, die richtigen Kennzahlen und vernünftige Schwellenwerte, die frühzeitig Hinweise auf Gefahren geben. Ausserdem muss für jeden Bereich klar geregelt sein, wer Entscheidungen trifft und Massnahmen anordnen darf. Entschlossenes Handeln sichert Lieferfähigkeit.
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Hinweis zur Texterstellung
Dieser Text wurde vom Autor eigenständig erstellt und redaktionell geprüft. Zur punktuellen Unterstützung bei Recherche, Strukturierung und Formulierung wurden digitale Werkzeuge, einschliesslich KI-Systemen, eingesetzt. Sämtliche Inhalte wurden vom Autor überprüft und verantwortet.